Rudolf_Krebs_und_Wirklichkeit


Befreiung zum Leben
Rudolf Lütticken

Eine spirituelle Vision - Essays

Rudolf Luetticken - konfessionsfreier Seelsorger

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Rudolf Lütticken Ligia Lütticken


Wer Gott liebt, hat keine Religion außer Gott - Rumi

An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen - Mt 7,16

Was sagt ihr zu mir: Herr! Herr!, und tut nicht, was ich euch sage? - Lk 6,46


Solange ich vor der Angst fliehe, finde ich nicht den Weg ins Vertrauen

Solange ich angesichts des Unabänderlichen keine andere Alternative sehe als „"Biegen oder Brechen"“, unterliege ich dem Zwang. Wenn ich mich in Einsicht dem Unabänderlichen beuge, bin ich selbstbestimmt und frei.

Religiöse Überlieferung gründet auf Behauptung, authentische Spiritualität auf der Gabe der Unterscheidung.

An Jesus glauben heißt: alles Leben im Licht seiner Botschaft sehen.

Die Botschaft Jesu liegt nicht in der Bedeutung seiner Worte, sondern in ihrer Kraft.

Krebs

Verankerung in der Wirklichkeit

Nachtgedanken - 24 Juli 2016 1:22



Ich weiß nicht, ob ich diesen Krebs überleben werde. Ich habe keine Schmerzen - das scheint bei Lungenkrebs normal -, aber die Bronchien werden von den Metastasen eingedrückt und reagieren darauf mit einem trockenen Hustenreiz. Die Hustenanfälle werden bei jeder Form von seelischem Stress ausgelöst. Ich bin ständig damit beschäftigt, sie zu vermeiden oder ihnen gegenzusteuern, indem ich mich körperlich und seelisch darauf fokussiere.

Die Frage, was dieser Krebs mit mir machen wird - ist er die Piste, die mich in kürzerer Zeit aus dieser Welt hinausführt, oder lässt er mir vor meinem Abschied noch eine Perspektive in dieser Welt offen? -, ich kann sie nicht beantworten. Sie bedeutet aber, dass ich nicht in die Zukunft planen kann - ich weiß nicht, ob ich für das, was ich plane, zur Verfügung stehe.

Ich beginne mit dem Krebs, weil er, wie mir jetzt klar wird, meine Verankerung in der Wirklichkeit ist. Er holt mich heraus aus all den Identifikationen, Gedankengebäuden, Rollenmustern, durch die ich mich mein Leben lang mir selbst und meiner Wirklichkeit entfremdet habe. Da hat es eben nicht gereicht, dass ich - 55 Jahre nach der Ablegung meiner Ordensgelübde - diese Bindung aufgebrochen und alles verlassen habe, was mein ganzes Erwachsenenalter hindurch Gestalt, Inhalt und Sinn meines Lebens gewesen ist.

Das war eine geistliche Entscheidung. Die Benediktinische Mönchsgemeinschaft, der ich durch die Profess angehörte, befand sich in einer Krise, die sich in den letzten Jahren und Monaten zuspitzte, bis sie zum gemeinsamen Ausscheiden von drei relativ jungen, engagierten und begabten Brüdern führte. In dieser Lage sah ich mich unversehens mit der Frage konfrontiert, wie es um meinen eigenen Ort in dieser Gemeinschaft stehe.

Ich befand mich in keinem Konflikt mit ihr. Im Gegenteil: als Mitglied des "Seniorates" war ich beratend an der Leitung der Gemeinschaft durch den Abt beteiligt und als "Magister" verantwortlich für die Einführung neuer Brüder in die Gemeinschaft. In dieser Verantwortlichkeit unterstützte ich - engagiert und linientreu - den Standpunkt der Gemeinschaft und ihrer Leitung gegenüber den Anfragen der genannten drei Brüder bis zu ihrem Austritt - um dann zu erkennen, dass mein Engagement nicht Ausdruck meiner inneren Wahrheit, sondern meiner - bis in den Anfang meines Daseins als Mönch zurückreichenden - Unwahrheit war.

Ja, da gab es eine Begegnung, die diese Erkenntnis in mir auslöste. Und in ihr fand ich auch die helfende Hand, die mir weiterhalf, als einmal klar war, dass ich dieser Erkenntnis und den aus ihr sich ergebenden Konsequenzen nicht ausweichen würde.

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